SSV Ludwigshafen Fliegen in der Rheinebene


Segelfliegen wie Gott in Frankreich

Klaus Leitner mit einem Rückblick auf das Fluglager in La Motte du Caire, Video von Norman Stirbu: „Am Freitag, 4. Juli, machten wir uns abends mit dem Duo Discus im Anhänger voller Vorfreude auf den Weg Richtung Südfrankreich. Ziel unserer langen Anreise war der legendäre Flugplatz La Motte du Caire, der inmitten der französischen Südalpen liegt. Aus vielen spektakulären Erzählungen in unserem Clubheim war uns dieser Flugplatz schon bekannt. Keiner von uns hatte jedoch zuvor die Gelegenheit, den Platz persönlich kennenzulernen. So waren wir alle gespannt, was uns fliegerisch in den kommenden Tagen erwarten würde. Unsere Anreise erfolgte nachts über Basel und Grenoble schließlich nach Sisteron in das Sasse-Tal. Die letzten Kilometer unserer 14-stündigen Fahrt schlängelten sich über kurvenreiche und enge Bergstraßen.

Dem zunächst engen Sasse-Tal folgend öffnete sich eine Talgabelung, an deren nördlichen Verlauf der schmale Platz La Motte zwischen Straße und Bachlauf zu erkennen war. Nicht weit entfernt liegen übrigens auch die ebenso bekannten Flugplätze Gap und Sisteron.

Den Folgetag nutzten wir, um uns von der langen Anfahrt etwas auszuruhen und die Gegend rund um den Flugplatz näher kennenzulernen. La Motte, das war also die mit französischem Flair ausgestattete Ausgangsbasis für den ansässigen Verein und die aus allen Ecken Europas kommenden Segelflieger, die hier für ihre schönen und weiten Flüge in die nahen Berge der Haute Provence starten. Am nächsten Morgen durften wir erstmals das immer pünktlich um 10:00 Uhr per Glocke eingeläutete Ritual des Briefings erleben, dargeboten vom Chefpiloten Christian „Chrischan“ Schneeberger, der für fast alles am Platz zuständig ist.

Christian führte uns fachkundig und umfassend in das alpine Segelfluggebiet um La Motte und die dortigen Charakteristika des Alpenfluges ein. Er verkündete gleich beim ersten Wetterbriefing, dass der nord-westliche Wind stark auffrischen und die nächsten Tage vom Mistral geprägt sein würden, ein für diese Gegend typischer und vor allem starker Wind. Diese Mistralwetterlagen machen zwar das Starten und Landen in La Motte wegen der starken Turbulenzen nicht ganz unkritisch, aber sie erzeugen über den Bergen fantastische, hochreichende Lee-Wellen. In den folgenden Tagen führten Norman und Christian mit uns in der ansässigen ASK 21 bzw. in unserem mitgebrachten Duo Discus die Einweisungsflüge durch.

Die französischen Windenkommandos zu verstehen und sie sich vor allem zu merken, fiel nicht allen von uns leicht. Deswegen hielten wir beim Start einen „Spickzettel“ mit den französischen Startkommandos fest in der linken Hand. Das Seil wurde eingezogen und es folgte ein kraftvoller Windenstart auf knapp 400 Meter. Mit dieser Höhe ging es nach dem Ausklinken gleich an den neben dem Flugplatz befindlichen Hausberg „Blacher“. Ohne Probleme war mithilfe des Hangwindes der Gipfel des Blacher schnell überstiegen. Am Flugplatz in La Motte werden übrigens ausschließlich Windenstarts und keine F-Schlepps durchgeführt. In der Regel findet man in La Motte aber von der Winde weg guten Anschluss an die Thermik oder den Hangwind. Nachdem wir uns dann bis zur Wolkenbasis hinaufgearbeitet hatten, erlebten wir an jedem unserer Flugtage im Prinzip immer dasselbe atemberaubende Erlebnis: Völlig entspanntes Fliegen in einer scheinbar unendlich langen Welle, die uns nicht nur wunderschöne Wellenstreckenflüge entlang an den Bergen Jouère, Malaupe und Gache ermöglichte, sondern uns mit Steigwerten von über 5 m/s sogar in sagenhafte Höhen hinaufgetragen hat. An manchen Tagen konnte man zwischen den perfekt geformten Lenticulariswolken im Süden sogar die Stadt Cannes an der Côte d’Azur sowie das Mittelmeer erkennen.

Die Landungen in La Motte mussten aufgrund des Mistrals mit hohen Fahrtreserven durchgeführt werden, weil sich heftige Rotoren und Abwindfelder direkt im Endanflug befanden. Kein Problem für uns, da wir immer mit ausreichend Überfahrt (150 km/h!) angeflogen sind und von Christian und Norman speziell auf diese Bedingungen vorbereitet wurden.

Neben dem eigentlichen Fliegen fühlten wir uns in La Motte auch sonst ausgesprochen gut aufgehoben. Christian zeigte uns nicht nur die schönsten Insider-Lokale in den abgelegenen Orten rund um den Flugplatz, sondern organisierte u. a. private Führungen wie z. B. durch die historische Kirche von La Motte. Damit ging für uns nach einer Woche eine unvergessliche Zeit in den französischen Alpen zu Ende.“